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Vor 10 Jahren starb Karl-Rainer Fabig

Rudolf Stratmann, 28.05.2015

Vor 10 Jahren, am 28. Mai 2005, starb der Arzt und Umweltmediziner Karl-Rainer Fabig. Er bleibt nicht nur für MCS-Patienten unvergesslich.

Ein damals veröffentlichter  Nachruf von Erik Petersen, mit Bild von Karl-Rainer und Anita Fabig.

"Umwelt, Macht und Medizin" - unter diesem Titel haben 2007 Anita Fabig und Kathrin Otte ein Buch herausgegeben "Zur Würdigung des Lebenswerkes von Karl-Rainer Fabig", das hier immer noch hier erhältlich und sehr zu empfehlen ist.

Auch unter dieser Überschrift "Umwelt, Macht und Medizin" hatte der politische Mensch Karl-Rainer Fabig im August 2003 auf Einladung der Gesundheits-AG von Attac-Hamburg einen hochbemerkenswerten Vortrag gehalten, der hier herunterzuladen ist.

2007 wurde posthum veröffentlicht, wozu Karl-Rainer Fabig massgeblich beigetragen hatte: Eine Auswertung einer Fragebogenaktion unter 521 Patienten bzgl. ihrer genetischen Varianten bei 4 Entgiftungs-Enzymen: "A cross-sectional study of self-reported chemical-related sensitivity is associated with gene variants of drug-metabolizing enzymes".

Deren politische Schlussfolgerungen hatte er schon in dem Vortrag von 2003 festgehalten:

"Die Folgerungen sind nicht gerade günstig für diese Industrie- und Chemiegesellschaft:
=> Die Profitindustrie übt auch im Krankmachen eine Macht über Menschen aus.
=> Die evolutionär so oder so sich bewährte Vielgestaltigkeit der Entgiftung wird von der herrschenden Gesellschaft eingeschränkt.
=> Die in Jahrmillionen sich so oder so bewährende genetische Ausstattung - hier im Bereich des Fremdstoffwechsels - scheint bei zunehmend mehr Menschen und anderen Lebewesen nicht mehr mit der jetzigen und künftigen Chemisierung der Umwelt kompatibel zu sein. 
=> Im engeren wissenschaftlichen Bereich zeigt sich die Unsinnigkeit von Grenzwerten oder Richtwerten, die sich um die Unterschiedlichkeiten der Individuen nicht kümmern."

 

Karl-Rainer Fabig war Umweltmedizin-Pionier und ein politischer Mensch. Während seines Studiums trat er dem SDS bei, war 1967 der Hamburger SDS-Sprecher, und wurde 1969 DKP-Mitglied. Eine Parteimitgliedschaft, die 1974 von CDU- und FDP-Provinzpolitikern, angeführt von einem Landrat Anton Graf Schwerin von Krosigk, zum Anlass genommen wurde, ihm die Anstellung als Amtsarzt in Norderstedt bei Hamburg zu verweigern. Er arbeitete in Hamburger Kliniken, begann dann 1977 mit einer eigenen Praxis, in der er seine politischen und wissenschaftlichen Intentionen nicht vergass. 

Als der seit Ende der 70er schwelende Konflikt um die Produktionsanlage von Boehringer in Hamburg-Moorfleet eskalierte (hier wurde das Pflanzen"schutz"mittel Lindan produziert) und das Dioxin-Werk 1984 auf Anordnung der Hamburger Umweltbehörde geschlossen wurde, war auch Karl-Rainer Fabig bei den engagierten Kräften dabei, diesen Gift-Skandal auzuklären und den Opfern zu helfen. Aufgrund von Reisen nach Vietnam und der dort erfahrenen Folgen des Einsatzes von "Agent-Orange" erkannte er den Zusammenhang zu den Symptomen bei Boehringer-Angestellten und es wurde in der BRD eine Beschäftigung mit Dioxin losgetreten. Diese politische Auseinandersetzung mit Bürgerinitiativen und Vietnam-Kennern war der Impuls für das nunmehr intensivere Beschäftigen mit Umweltmedizin.