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Leukämie

25.09.2015, Rudolf Stratmann

Aus Anlass der Ausstrahlung des NDR-TV-Beitrags von Alexa Höber "Giftiges Benzol: Leukämiefälle in Rodewald" soll hier nach dem Multiplen Myelom  für die Leukämie als zweiter grossen Gruppe von malignen Erkrankungen des blutbildenden Systems eine hilfreiche Informations-Sammlung zusammengetragen werden.

Während in der Samtgemeinde Bothel und den umliegenden Gemeinden eher die Lymphome, darunter vor allem das Multiple Myelom bei Männern, im Zentrum der Untersuchungen stehen, zeigt sich in Rodewald eine auffällige Häufung von Leukämien. Verbunden mit dem Verdacht, dass Benzol eine der möglichen Ursachen sein könnte, wegen der räumlichen Nähe zu einem Ölförder- bzw. Umschlagplatz über Jahrzehnte, bei dem u.a. durch das Abfackeln von Benzol-haltigem Gases (wurde von den Anwohnern "Das ewige Licht" genannt) Luft und Boden kontaminiert wurden.

Im Gegensatz zu vielen anderen Krebs-Entitäten, bei denen man kaum eine vergleichsweise Zuordnung machen kann, gibt es hier einen anerkannten engen Zusammenhang zwischen der Exposition gegenüber einem Umwelt-Schadstoff und der Entwicklung von Krebs: Benzol und Leukämie. Seit 2009 ist dieser Zusammenhang in Deutschland sogar als Berufskrankheit anerkannt (BK 1318, hier das Merkblatt und hier die wissenschaftliche Begründung). Das Kompetenznetzwerk Leukämie stellt unter Bezug auf diese BK 1318 fest: "Somit gelten Benzol und seine Derivate (abgeleitete Stoffe ähnlicher chemischer Struktur) als gesicherte Risikofaktoren bei der Entstehung von Leukämie."

Der Film beginnt mit der Darstellung des Schicksals eines Jungen, der im Kleinkindalter Leukämie hatte und geheilt werden konnte. Die Mutter des Jungen berichtet von zwei weiteren an Leukämie erkrankten Kindern, die leider verstorben seien.

Wir möchten von daher zunächst auf die Frage eingehen, ob es Veröffentlichungen gibt, die den Verdacht, dass Benzol-Exposition bei kindlicher Leukämie als ursächlicher Risikofaktor in Frage kommt, bestätigen.

Ja, die gibt es. [ Auf die allgemeine wissenschaftliche Aufdeckung des Leukämien verursachenden Faktors Benzol wird in einem eigenen Artikel eingegangen ]

Insbesondere die Arbeiten britischer Epidemiolgen legen diesen Zusammenhang nahe. Knox legte 1994 die Ergebnisse der räumlichen Verteilung von 9.406 kindlichen Leukämien vor, mit dem Ergebnis: "The common patterns of close
 association of clustered and non-clustered cases imply a common aetiological component arising from a common environmental hazard - namely the use of fossil fuels, especially petroleum." Knox legte 3 Jahre später eine Auswertung von 22.458 an Leukämie verstorbenen Kindern (0 - 15 Jahre) aus den Jahren 1953 bis 1980 vor. Dabei liest sich das erste aufgelistete "Haupt-Ergebnis" so, als ob u.a. Rodewald gemeint sein könnte: "Main results - Relative excesses of leukaemias and of solid cancers were found near the following: (1) oil refineries, major oil storage installations, railside oil distribution terminals and factories making bitumen products;" - Leukämie und solide Krebse wurden in besonderem Masse gefunden in der Nähe von Öl-Raffinerien, Öl-Lagern, Öl-Verteilungs-Stellen und Bitumen-Produkte herstellende Fabriken;"

In einer Fall-Kontroll-Studie mit 280 kindlichen Leukämie-Fällen und 285 Kontroll-Patienten kommen französische Forscher, Steffen et al. 2004, veröffentlicht, zu diesem Schluss: "Conclusions: Results showed an association between acute childhood leukaemia and dwellings neighbouring auto repair garages and petrol stations, which are benzene emitting sources." An Orten, wo es Benzol-Emissionen gibt, wie Tankstellen oder Auto-Reparatur-Werkstätten, sollten Kinder nicht leben.

Von Patricia A. Buffler, School of Public Health, University of California, Berkeley, gibt es ein 2005 veröffentlichtes Überblicks-Papier unter dem Titel "Environmental and Genetic Risk Factors for Childhood Leukemia: Appraising the Evidence". Dort steht, bezogen auf die o.a. Veröffentlichungen und auch weitere dieses: "These findings support the hypothesis of a benzene-related etiology and are consistent with studies reporting an increased risk of childhood leukemia associated with parental occupational exposure to solvents containing benzene.[70 – 74]" - "Diese Ergebnisse stützen die Hypothese einer Benzol-verbundenen Ätiologie und sind konsistent mit Studien, die über ein erhöhtes Risiko von kindlicher Leukämie berichten, wenn es bei den Eltern eine berufsbedingte Exposition zu Benzol-haltigen Lösungsmittel gab."

[Wird fortgesetzt]