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Die wenig wissenschaftlichen Erkenntnisse des Herrn Kassner

04.05.2016, Rudolf Stratmann

In der heutigen Ausgabe der 'Rotenburger Kreiszeitung' wird unter der Überschrift 'Kein Krebs durch Erdgas' (aber als Zitat) von Verlautbarungen des Herrn Harald Kassner berichtet, "Chemiker und wissenschaftlicher Berater der Exxon-Geschäftsführung". Es heisst dort: "Über viele Monate hat der Chemiker und wissenschaftliche Berater der Exxon-Geschäftsführung mit seinem Team nach eigenen Angaben Literaturstudien zu Krebsursachen vorgenommen und mit Experten an Instituten und Kliniken gesprochen."

Was auch immer Herr Kassner bzw. sein Team an "Literaturstudien" gemacht haben mag, die Schlussfolgerung daraus zum Punkt 1. (und nur auf diesen will ich hier eingehen) ist doch ein wenig verwunderlich, es heisst dort:

"Punkt eins: das Gift. „Benzol ist der einzige Krebs erregende Stoff im Erdgas“, sagt Kassner. Natürlich gebe es noch andere giftige und gefährliche anfallende Stoffe, aber nur Benzol löse Krebs aus. Und zwar vor allem Leukämien. Das maßgeblich auffällige Multiple Myelom werde weniger häufig mit Benzol in Verbindung gebracht, so der Exxon-Chemiker."

Ein Exxon-Chemiker und -wissenschaftlicher Berater stellt öffentlich fest, dass die Erdgasproduktion einhergeht mit der Emission des Krebs erzeugenden Stoffes Benzol. Stimmt. Aber das ist keine Neuigkeit, neu ist nur, dass Herr Kassner das jetzt auch sagt. Und er stellt fest, dass Benzol 'vor allem Leukämien' erzeugt. Wie z.B. in Rodewald?

Bis hierher schon ist der Artikel-Überschrift, die ja als Zitat von Kassner gedacht ist, widersprochen, durch ihn selbst. Logik spielt aber offenbar keine Rolle, wenn man einem bezahlten Auftrag nachgehen möchte. Und es ist anzunehmen, dass es Herrn Kassner nicht darum gehen kann, als geständiger Vertreter eines Benzol-emittierenden Unternehmens einen Beitrag für die Wahrheitsfindung im Gasland zu leisten. Es geht vielmehr um diese Behauptung: „Es erschließt sich kein Zusammenhang zwischen Erdgasförderung und den Krebsfällen."

Allerdings braucht nur an dem Zusammenhang, den Kassner selbst benennt, aufgesetzt zu werden: Erdgasförderung macht Benzol, Benzol macht Krebs, also macht Erdgasförderung Krebs. Aber er redet von 'Krebsfällen'. Und meint die grössere Häufigkeit von Non-Hodgkin-Lymphomen und Multiplen Myelomen (MM) bei Männern in der Samtgemeinde Bothel, festgestellt durch das Krebsregister im September 2014. Sowie einem ähnlichen Ergebnis im Juni 2015 für die Nachbargemeinden, ebenfalls eine grössere Häufigkeit des MM bei Männern. Das ist zwar auch alles 'Krebs', aber - und hier folgt nun ein kleiner Dreh: Da (angeblich) in der Literatur das MM 'weniger häufig' mit Benzol in Verbindung gebracht wird wie Leukämien, soll suggeriert werden, dass Benzol wohl eher nicht der Auslöser dieser Krebs-Erkrankung sein kann. Bloss, stimmt das mit dem 'weniger häufig' überhaupt? Und wenn ja, wieso folgt daraus, dass Benzol als verursachende Substanz aus dem Spiel ist? Offenbar hakt in der Argumentation des Herrn Kassner nicht nur die Logik, sondern auch die Arithmetik - weniger häufiges Zitieren eines Zusammenhangs Benzol-MM ist nun mal nicht identisch mit keinem Zusammenhang.

Herr Kassner möchte den Leuten Glauben machen, dass Benzol zwar Leukämien macht, aber kein Multiples Myelom, weswegen die Gasindustrie nicht mit den gehäuften Krebsfällen in Bothel und Rotenburg in Verbindung gebracht werden kann. Das aber war von Anfang an die Botschaft, für die Herr Kassner sich berufen fühlte, für sein Unternehmen in den Ring zu steigen: 'Kein Krebs durch Erdgas'.

Das Ganze erinnert eher an Orwellschen Neusprech nach dem Motto: Allem, was völlig offensichtlich ist und gefährlich werden könnte, muss genau um 180 Grad widersprochen werden. Krieg ist Frieden. Erdgas ist sauber. Benzol macht Leukämien, aber keinen Krebs, und erst recht nicht hier. Doppeldenk ist geil. Lüge ist Wahrheit.

Ich hatte mich im September 2014 mit Benzol und dem Multiplen Myelom beschäftigt, dort sind die zur Debatte stehenden Fragen schon aufgearbeitet (wenn auch ohne 'Team' und ohne wissenschaftlichen Anspruch), auch die Frage, ob Benzol nur Leukämien (vor allem AML) macht (sie wird verneint, nicht von mir, sondern in der Literatur).

Aber in dieser heute öffentlich verbreitete Einlassung des Herrn Kassner mehr als eineinhalb Jahre später kann ich nur interessengeleiteten ideologischen Fundamentalismus erkennen, ohne jegliche methodische Konsistenz. Herr Kassner sollte mindestens seine Literaturstudie offenlegen.

IG Wiedau - "Wir haben eine Scheißangst"

24.02.2016, Rotenburger Rundschau, Nina Baucke: "IG Wiedau wehrt sich gegen geplante Exxon-Halle in Bellen: Wir haben eine Scheißangst"

"Sie glauben, dass es einen Zusammenhang zwischen der Erdgasförderung und den Krankheitsfällen gibt. „Vor 2005 gab es alle paar Jahre mal eine Neuerkrankung. Doch seitdem sind es jährlich ein bis zwei“, sagt Grit Leymann. Auch die Brockelerin engagiert sich in der Initiative. „Und dabei reden wir hier von allen möglichen Krebsarten und sämtliche Altersstufen zwischen 30 und 79 – und nicht nur um die, um die es in den Fragebögen geht.“ Um den Ursachen weiter auf den Grund zu gehen, fordert die IG Wiedau in einem Schreiben Exxon-Mobil auf, anonymisierte Daten aus dem betriebsinternen Gesundheits-Screening zur Verfügung zu stellen."

"Pure Inaktivität"

23.09.2015, Rotenburger Kreiszeitung

Kritik an politischer Reaktion nach erhöhten Krebszahlen in Rotenburg und Nienburg

Rotenburg - Von Michael Krüger.

Im Landkreis Nienburg soll es nach den Berichten über erhöhte Leukämiezahlen rund um den mit Benzol verseuchten Erdöl-Förder- und Betriebsplatz Rodewald wie im Landkreis Rotenburg eine sogenannte Clusteranalyse des Krebsregisters geben. Damit sollen genauere Daten und mögliche Hintergründe der auffällig hohen Zahl an Erkrankungen ermittelt werden. Nach einem Bericht des NDR-Magazins „Markt“ sind dort von 1998 bis 2007 fünf Menschen unter 40 Jahren an Leukämie erkrankt. Statistisch gesehen hätte es nur eine Erkrankung in dem Zeitraum geben dürfen.

 

"Kathrin Otte zu den erhöhten Krebszahlen in der Region und die Reaktionen der Behörden"

26.06.2015, Rotenburger Kreiszeitung

Rotenburg - Von Michael Krüger. Erhöhte Krebszahlen auch in Rotenburg. Die Schlagzeile zu Anfang dieser Woche hat das Problem, das mit Bekanntwerden der massiv erhöhten Leukämie- und Lymphomerkrankungen älterer Männer in der Samtgemeinde Bothel im September 2014 begonnen hat, noch einmal verschärft. Die Suche nach Ursachen läuft.

Einen Zusammenhang mit der Erdgasförderung in der Region wollen die Behörden zwar nicht ausschließen, hüten sich aber vor schnellen Urteilen. Die Bürgerinitiativen arbeiten an der Aufklärung mit – werden aber auch deutlicher. Kathrin Otte, zweite Vorsitzende des „Gemeinnützigen Netzwerks für Umweltkranke“ (Genuk), spricht Klartext.

TAZ: "Alarmierende Krebsrate"

23.06.2015, Wolfgang Löhr

BERLIN taz |Für die Fracking-Industrie sind die neuen Nachrichten aus der norddeutschen Kleinstadt Rotenburg an der Wümme ein Fiasko. In der Kreisstadt ist die Zahl der an Blutkrebs erkrankten älteren Männer gegenüber einer Vergleichsregion drastisch erhöht, gab das „Epidemiologische Krebsregister Niedersachsen“ (EKN) am Montag bekannt. In und um Rotenburg gibt es zahlreiche Bohrlöcher zur Gewinnung von Erdgas.

"Außerordentlich besorgniserregend"

kreiszeitung.de, 22.06.2015

Rotenburg - Von Michael Krüger. Es ist die befürchtete schlechte Nachricht, die die Debatte um die Gefahr durch die Erdgasförderung in der Region trotz aller Mahnungen zu einer sachlichen Diskussion befeuern dürfte. Nicht nur in der Samtgemeinde Bothel, auch in Rotenburg ist die Zahl der an Blutkrebs erkrankten, älteren Männer auffällig hoch. Ein Zufall wird ausgeschlossen. Es muss Gründe für die Zahlen geben. Doch die sind weiter unklar.

GRÜNE: "Ursachenforschung dringend intensivieren"

22.06.2015

Elke Twesten, Landtagsabgeordnete aus dem Landkreis Rotenburg/Wümme

 „Angesichts der vielen Umweltprobleme der letzten Jahre im Zusammenhang mit der Erdgasförderung muss der Focus der Untersuchungen vor allem darauf gerichtet werden, ob es einen Zusammenhang zwischen den Freisetzungen von Benzol, Quecksilber und anderen Umweltgiften mit der Krebshäufung gibt. Die Gesundheit der Menschen muss auf jeden Fall absoluten Vorrang vor den Profitinteressen der Erdgaswirtschaft haben.“

"Auffällig hohe Krebszahlen auch in Rotenburg"

kreiszeitung.de, 22.06.2015

Rotenburg - Von Michael Krüger. „Dieses Ergebnis war zu befürchten.“ Rotenburgs Bürgermeister Andreas Weber (SPD) verschweigt nicht, dass er nach den Befunden in der Samtgemeinde Bothel Ende 2014 Ähnliches für die Kreisstadt erwartet hatte. Am Montagmittag wurde bekannt, dass auch in Rotenburg auffällig viele Männer im Alter zwischen 60 und 74 Jahren an Leukämien und Lymphonen erkrankt sind.

Kalter Krieg ums Fracking

27.10.2014, Deutsche Welle, Kalter Krieg ums Fracking, Karin Jäger

Fracking polarisiert. Die Gaswirtschaft suggeriert, Deutschland könnte durch Förderung von Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten das Ende der fossilen Energieträger um wenige Jahrzehnte hinauszögern und unabhängiger werden von Importen. Andererseits streiten Geologen über Risiken für Mensch und Umwelt. Dubiose Krebsfälle verstärken die Furcht.

"Abgefrackt - Grünen-Parteitag Niedersachsen"

18.10.2014, FAZ:

Grünen-Parteitag in Niedersachsen

Abgefrackt

Beim Parteitag der niedersächsischen Grünen in Walsrode führt die Basis die Parteiführung vor. Sie verpflichtet die Parteispitze auf ein kategorisches Verbot von Fracking - und des Imports „gefrackter“ Energieträger.

Löst Fracking Krebs aus?

17.10.2014, Frankfurter Rundschau:

In Bothel bei Bremen häufen sich sich Leukämieerkrankungen bei Männern. Man fürchtet, es könnte einen Zusammenhang geben zwischen der dortigen Erdgasförderung und den erhöhten Krebsraten. Genauere Untersuchungen werden angemahnt.

Wenzel verspricht Kontrollen

14.10.2014, Kreiszeitung:

Rotenburg - Von Michael Krüger und Jens Wieters. Dass sich Stefan Wenzel an diesem Montag für vieles rechtfertigen muss, was dem Grünen-Politiker ganz offensichtlich widerstrebt, ist das Problem des Regierens. Doch der Landesumweltminister muss bei seiner Stippvisite im Landkreis Rotenburg die Zwänge anerkennen und sich in politischen Erklärungen winden, weil auch er noch Antworten sucht auf erhöhte Krebszahlen in der Samtgemeinde Bothel, auf die Fracking-Problematik und den Umgang mit giftigem Lagerstättenwasser.

Krebsfälle alarmieren Langwedeler Bürger

14.10.2014, Weser-Kurier:

Landkreis Verden. Eine Untersuchung der Krebsrate im Landkreis Rotenburg hat die Frage aufgeworfen, ob es einen Zusammenhang zwischen der festgestellten erhöhten Erkrankungszahl und der Erdgasförderung in dem Gebiet gibt. Auch im Landkreis Verden werden kritische Stimmen laut, die weitere Gutachten anfordern.

"Speerspitze in Sachen Fracking"

29.09.2014, Kreiszeitung:

Von Nina Baucke. SOTTRUM

Zum Einen gleich zu Beginn der Sitzung, als ein Bürger die Gelegenheit nutzte, um nach dem Fortschritt einer Resolution gegen das Fracking in der Samtgemeinde zu fragen. Samtgemeindebürgermeister Markus Luckhaus bekräftigte, man sei dabei, eine Resolution auf den Weg zu bringen. „Wir sind hier in Sottrum immerhin im Landkreis die Speerspitze, was das Fracking angeht.“

Krebsrate in Bothel beunruhigt Verden

17.09.2014, Weser-Kurier:

Landkreis Verden. Eine Studie hat ergeben, dass Männer in Bothel im Kreis Rotenburg deutlich häufiger an Krebs erkranken, als das statistisch zu erwarten wäre. Das Niedersächsische Umweltministerium schließt einen Zusammenhang mit Erdgasförderung nicht aus.

Kreiszeitung: Krebs durch Erdgasförderung?

Kreiszeitung, 29.01.2014, Krebs durch Erdgasförderung?

 
 
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Ich lebe eingeschränkt, aber ich lebe.
Gisela Grothe hat MCS. Sie kämpft seit Jahrzehnten um Anerkennung und Vorurteile.